Michaelistag

Michaelistag, Wer ist wie Gott? (hebr.),  so wird der 29. September sowohl von den Katholiken als auch von den Protestanten wegen der an diesem tage in der Christenheit begangenen Gedächtnisfeier der Kirchenweihe des hl. Erzengels Michael (Dedicatio S. Michaelis Archangeli) genannt.

Welche Kirchweihe des hl. Michael oder zu Ehren des hl. Michael gemeint sei, läßt sich nicht mit Bestimmtheit ermitteln (cfr Merat). es ist diese Gedächtnisfeier jedenfalls uralt; da sie schon in den ältesten römischen Sacramentarien vorgemerkt ist, ja im achten und neunten Jahrhunderte bereits hie und da als Festtag geboten wurde(Poenit. S. Bonif.; Conc. Risbac. a. 799; Conc. Mogunt. a. 813. c.36).

 Wunderbare Kirchweihen, oder vielmehr Kundgebungen des hl. Michael, sich an einen bestimmten Platz geheiligt zu haben, sind laut der Legende besonders vier: eine auf dem Berge Garganus (dermalen Monte sant Angelo), in Neapel, wegen der am 8. Mai das Fest um Apparitonis S. Michaelis begangen wird; im Anfange des sechsten Jahrhunderts eine zweite zu Chonis in Phrygien, die besonders im Morgenlande gefeiert wird, im neunten Jahrhunderte; eine dritte auf dem Berge Tumba in der Normandie in Frankreich im zehnten Jahrhunderte; und eine vierte auf der Moles Hadriani (der Engelsburg) in Rom am Anfange des siebenten Jahrhunderts, wegen der vorzugsweise der 29. September dermalen als Gedächtnistag festgesetzt sein dürfte.

Gotteshäuser zu Ehren des hl. Michael gab es schon im vierten Jahrhunderte: Konstantin der Große ließ schon solche erbauen (Sozom. hist. eccl. 1. 2. c. 3.). Übrigens läßt sich nicht verkennen, daß unsere dermalige Michaelisfeier nicht so sehr einer oder der anderen Apparitition des hl. Michael oder überhaupt diesem hl. Engel allein gilt, als vielmehr der frommen Erinnerung, daß die hl. Engel uns teils Tugendvorbilder, teils Fürbitter am Throne Gottes, teils unsere künftigen Himmelsgenossen sind: sowohl der Inhalt der von der Kirche für diesen Tag vorgeschriebenen Gebete in den canonischen Tag- und Nachtzeiten, als auch der Bau des Meßformulares bestätigen es. Dieselbe ist somit ein Zentralfest zu Ehren der Engel überhaupt. In der Volkssprache heißt es bisweilen:

„es sei am Michaelitage Kirchweihe im Himmel und auf Erden.”

Es mag dies daher kommen, daß uns die hl. Schrift einerseits den hl. Michael als den Engel nennt, der die bösgewordenen höheren Geister aus dem Himmel stürzte, somit diesen gleichsam als Wohnort der guten Geister weihte (Offb 12, 7-9), und andererseits die Legende von mehreren wunderbaren Erscheinungen oder Kirchweihen des hl. Michael spricht. 
[Fr. X. Schmid.]

Quelle: Encyklopädie für die katholische Theologie und ihrer Hilfswissenschaften von 1851

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